Warum Relevanzkriterien die Wikipedia nicht vor Schrott bewahren und eine Qualitätsbremse in Wikipedia sind… Und warum diese Kritik dennoch kein „Löschadminbashing“ ist.
Wie es dazu kam
Mit dem Erfolg der Wikipedia kamen die unvermeidlichen professionellen Web-2.0-Werbeplatzbesetzer, die Fans vollkommen unbekannter Popsternchen und die Missionare, die ihre einzig wahre Wahrheit der Welt verkündigen müssen. Die schieren Menge solcher Werbeartikel, die täglich reinkam, erforderte radikale Maßnahmen: Nämlich aggressives Löschen, wollte man nicht Wikipedia zu MySpace verkommen lassen.
Um den immer wieder aufkommenden Debatten einen Riegel vorzuschieben, aber auch weil einige elitäre Schlauberger „Enzyklopädie“ als Synonym zu „Brockhaus“ sehen (übrigens entgegen den Gerüchten überwiegend keine Admins), kamen die berühmt-berüchtigten Relevanzkriterien auf. Diese funktionieren ganz gut um kurz und bündig für alle Zukunft zu klären, warum bspw. Musiker XYZ nicht in Wikipedia passt und regelmäßig dennoch entstehendes Geschrei eines im schlimmsten Falle tödlich beleidigten Selbstdarstellers kurz und scherzlos (wenn auch leider selten schmerzlos) abzuwürgen.
Das Problem der selbsternannten Bildungselite
Jetzt gibt es aber auch Themen, die nach Ansicht von „Brockhausianern“ in eine seriöse Enzyklopädie grundsätzlich nicht gehörten. Zu den Unseriosität verbreitenden Pfui-Artikeln gehören grundsätzlich Schulen, sofern sie nicht überregional in die Schlagzeilen gerieten oder sonst größere historische Bedeutung aufweisen. Kirchen (von den über jeden Zweifel erhabenen Hochschulen garnicht zu reden) hingegen sind für jeden Bildungsonkel seriös genug und im Gegensatz zu Schulen meist ohne quirlige Kinder, die im schlimmsten Fall ihr virtuelles Graffiti zu ihrer Schule in Wikipedia anbringen („Maren M. ich liebe dich. Dein Paul aus der 8b.“), weswegen Kirchenartikel in Wikipedia ungestört gedeihen.
Wieso komme ich gerade auf Schulen? Nun ich entdeckte neulich einen recht schlechten Artikel über das Gymnasium Eckental, der auch schon gleich einen Löschantrag hatte (wie überwiegend auch hier nicht von einem Admin gestellt). Zufällig kenne ich die Schule und versuchte den Artikel zu verbessern. Zu meinem Erstaunen fand ich in einer früher schoneinmal wegen mangelnder Relevanz gelöschten Version einen recht annehmbaren Artikel, dem noch ein paar Fotos und ein paar Drittquellen fehlten. Ich stellte diese passable Version also her, baute sie aus und versprach den Rest nachzuliefern. Dass das bei dünnen Webquellen nicht so schnell und bequem in 7 Tagen möglich ist, wie ich es zusammen mit anderen bei Softwareartikeln schaffe, sollte klar sein.
Da aber Schulen Kinderkram und somit nicht seriös genug sind, wohingegen ein (ohne Ironie!) interessanter Teufelstisch bei Igensdorf (ein paar Kilometer weiter), wohl schon allein aufgrund der Wertschätzung der Heimatforschung im Bildungsbürgertum niemals das Schicksal ereilen würde, dass er wegen mangelnder überregionaler Bedeutung gelöscht wird. Und die vielen gestrickten Legenden, die in der Regel die überregionale Bedeutung lokaler Naturdenkmäler wie der von vielen Ausflüglern besuchten Kasberger Linde ins rechte Licht rücken wollen und die gerne kolportiert werden, damit auch das letzte Dorf seinem Anspruch als Weltdorf gerecht wird, muss ich nicht erst noch extra erwähnen…
Folgen der Relevanzkriterien
Unmittelbare Folgen:
Mittelfristige Folgen:
Lösungsvorschlag
Ich bin deshalb so frei und werde die Relevanzkriterien (abgesehen von der Werbeausnahme) in Zukunft konsequent ignorieren und rufe jeden auf es mir gleichzutun und stattdessen den Fokus auf die Qualitätsverbesserung der Artikel zu legen. Es gibt viel zu tun.
(Disclaimer: Wer meint er könne mit meinen Punkten einen Kauderwelschartikel vorm Löschen verteidigen hat nicht verstanden worum es geht.)
Have fun.