WikiPress = Gedrucktes Internet!?

Diesen und änlichen Suggestivfragen musste sich das WikiPress-Projekt des Zenodot Verlags stellen, als er sich zum Ziel nahm zunächst Teile der Wikipedia und später die gesamte Enzyklopädie in Buchform herauszubringen.

Da wurde dann vor allem von Leuten mit großem Mitteilungsdrang aber auffallend wenig Artikelarbeit in Wikipedia sich heißgeredet, Wikipedia sei eine Webseite und Webseiten in Buchform das Sinnloseste seit der „Erfindung“ des Atomstromfilters und überhaupt Texte auf totem Baum (=Bücher) würden eh aussterben und noch dazu wäre das ja der reinste böse Kommerz, weil Wikipedia ja angeblich nichtkommerziell sei (das Verstehen von nicht übersehbaren Fakten ist auch im Zeitalter des Internets nicht einfacher geworden)…

Das gleiche bekam man aber schon einmal von denselben (oder zumindest gleich gestrickten) Leuten zu hören, als erstmalig die Wikipedia CD und später Wikipedia DVD herauskam. Mittlerweile ist die Wikipedia DVD etabliert und häufig genutzte und auch gekaufte (!) Alternative zu Encarta, Brockhaus und Co.

Warum? Offensichtlich muss die DVD einen Mehrwert bieten, trotz dass sie ein statisches Medium ist, welches stets weniger aktuell ist als die Onlineausgabe:

  • Jederzeit schnell abrufbar bspw. unterwegs ohne Internetzugang oder wenn Wikipedia gerade mal wieder überlastet ist.
  • Schnelle und einfache Navigation und Recherche der Inhalte, nicht zuletzt dank der seit vielen Jahren entwickelten Software Digibib.
  • Durchgesehene und gleichartig aufbereitete Inhalte, nicht zuletzt um Fehler der Onlineausgabe auszumerzen (gerade im Bereich Qualität wird noch weit mehr in Zukunft getan werden).
  • Nicht schnelllebig, sondern heute, morgen und übermorgen in exakt der gleichen Form vorhanden, was besonders für Zitate und Quellenangaben hilfreich ist.
  • Stofflicher Besitz eines „Originals“: Dies ist gerade in Zeiten von Tauschbörsen ein wesentlicher Aspekt der deutschen Konsumkultur (trotz anderslautender Meinung irgendwelcher 0815-Musikproduzenten, deren Werke in der Regel so schlecht sind, dass sie einfach niemand „stofflich“ besitzen will).
  • Seit einiger Zeit sind den Unkenrufen zum Trotz die ersten aus Wikipediainhalten zusammengestellten und redaktionell aufbereiteten Wikipressbände fertig und im Handel erhältlich, auch der von mir zusammengestellte Band „Sonnensystem“ (ISBN 3-86640-006-3).

    Welchen Mehrwert bieten nun diese Bände und insbesondere „Sonnensystem“ zum einen gegenüber der Onlineausgabe der Wikipedia und zum anderen gegenüber der (gerade im Bereich Sonnensystem) riesigen Anzahl an „konventionellen“ Büchern?

  • Sie sind frei. Jeder darf mit dem Wissen und Inhalt aus diesen Büchern ungefragt und ungestraft seine kreative und unternehmerische Freiheit austoben, solange er sich an die Spielregeln der GNU-Lizenz für freie Dokumentation hält.
  • Sie wurden von einer sehr großen Autorengruppe zusammengestellt, die zugleich Wert auf Korrektheit als auch auf Verständlichkeit gelegt hat. Diese Bücher sind somit nicht aus der Sicht eines einzelnen Experten geschrieben.
  • Niemand kauft die Katze im Sack. Das vollständige Buch kann man sich vorher in digitaler Form als PDF herunterladen.
  • Bücher sind einfach. Jeder kann überall auch fernab von Strom und anderem teuren, fehleranfälligen, komplizierten, technischen Gerät in einem Buch blättern, aber wer kann in einem Computer „blättern“? Bücher haben keine Fehlermeldungen wie „Seite kann nicht dargestellt werden.“ – Bücher sind Entspannung.
  • Bücher lassen sich „begreifen“ und besitzen.
  • Diese Bücher wurden aus ausgewählten Themen der Wikipedia zusammengestellt und aufbereitet. Man muss sich somit nicht selber eine Übersicht über ein Thema verschaffen und einzelne Artikel zusammenklauben. Die Inhalte wurden in einem aufwändigen transparentem Redaktionsprozess nachbearbeitet und korrigiert. Schon allein die Zeitersparnis lohnt es die Zusammenstellung zu lesen, statt selbst zu suchen. Nicht zuletzt ist das gedruckte Buch im Laden billiger als es sich selbst auszudrucken.
  • Gerade bei meinem eigenen Buch „Sonnensystem“ wage ich die Behauptung, dass es sich zum einen wohltuend von den inhaltsleeren, bunten und zum Teil fragwürdigen Bilderbüchern zum Thema Sonnensystem abhebt und zum anderen nicht in die formellastige Expertenbuchecke abdriftet, die zudem oft das Manko haben, dass man sie im Gegensatz zu meinem Buch nicht quer lesen kann. Ich wage die Behauptung, dass „Sonnensystem“ eine eklatante Lücke in diesem publikationsüberladenen Bereich geschlossen hat.

    Ich lade also den Leser ein sich auf das Leseexperiment eines radikal neuen Buchtyps einzulassen und selbst ein eigenes Urteil zu fällen ob er seinen Zielen gerecht wird. Und vielleicht darf man sich dann bei Gefallen wie ein Pionier fühlen der etwas neues entdeckt hat, so wie ich mich als Pionier gefühlt habe das Medium Buch neu zu erfinden:

  • ISBN 3-86640-006-3
  • PDF zum Herunterladen.
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