Relevanz ist irrelevant

Warum Relevanzkriterien die Wikipedia nicht vor Schrott bewahren und eine Qualitätsbremse in Wikipedia sind… Und warum diese Kritik dennoch kein „Löschadminbashing“ ist.

Wie es dazu kam

Mit dem Erfolg der Wikipedia kamen die unvermeidlichen professionellen Web-2.0-Werbeplatzbesetzer, die Fans vollkommen unbekannter Popsternchen und die Missionare, die ihre einzig wahre Wahrheit der Welt verkündigen müssen. Die schieren Menge solcher Werbeartikel, die täglich reinkam, erforderte radikale Maßnahmen: Nämlich aggressives Löschen, wollte man nicht Wikipedia zu MySpace verkommen lassen.

Um den immer wieder aufkommenden Debatten einen Riegel vorzuschieben, aber auch weil einige elitäre Schlauberger „Enzyklopädie“ als Synonym zu „Brockhaus“ sehen (übrigens entgegen den Gerüchten überwiegend keine Admins), kamen die berühmt-berüchtigten Relevanzkriterien auf. Diese funktionieren ganz gut um kurz und bündig für alle Zukunft zu klären, warum bspw. Musiker XYZ nicht in Wikipedia passt und regelmäßig dennoch entstehendes Geschrei eines im schlimmsten Falle tödlich beleidigten Selbstdarstellers kurz und scherzlos (wenn auch leider selten schmerzlos) abzuwürgen.

Das Problem der selbsternannten Bildungselite

Jetzt gibt es aber auch Themen, die nach Ansicht von „Brockhausianern“ in eine seriöse Enzyklopädie grundsätzlich nicht gehörten. Zu den Unseriosität verbreitenden Pfui-Artikeln gehören grundsätzlich Schulen, sofern sie nicht überregional in die Schlagzeilen gerieten oder sonst größere historische Bedeutung aufweisen. Kirchen (von den über jeden Zweifel erhabenen Hochschulen garnicht zu reden) hingegen sind für jeden Bildungsonkel seriös genug und im Gegensatz zu Schulen meist ohne quirlige Kinder, die im schlimmsten Fall ihr virtuelles Graffiti zu ihrer Schule in Wikipedia anbringen („Maren M. ich liebe dich. Dein Paul aus der 8b.“), weswegen Kirchenartikel in Wikipedia ungestört gedeihen.

Wieso komme ich gerade auf Schulen? Nun ich entdeckte neulich einen recht schlechten Artikel über das Gymnasium Eckental, der auch schon gleich einen Löschantrag hatte (wie überwiegend auch hier nicht von einem Admin gestellt). Zufällig kenne ich die Schule und versuchte den Artikel zu verbessern. Zu meinem Erstaunen fand ich in einer früher schoneinmal wegen mangelnder Relevanz gelöschten Version einen recht annehmbaren Artikel, dem noch ein paar Fotos und ein paar Drittquellen fehlten. Ich stellte diese passable Version also her, baute sie aus und versprach den Rest nachzuliefern. Dass das bei dünnen Webquellen nicht so schnell und bequem in 7 Tagen möglich ist, wie ich es zusammen mit anderen bei Softwareartikeln schaffe, sollte klar sein.

Da aber Schulen Kinderkram und somit nicht seriös genug sind, wohingegen ein (ohne Ironie!) interessanter Teufelstisch bei Igensdorf (ein paar Kilometer weiter), wohl schon allein aufgrund der Wertschätzung der Heimatforschung im Bildungsbürgertum niemals das Schicksal ereilen würde, dass er wegen mangelnder überregionaler Bedeutung gelöscht wird. Und die vielen gestrickten Legenden, die in der Regel die überregionale Bedeutung lokaler Naturdenkmäler wie der von vielen Ausflüglern besuchten Kasberger Linde ins rechte Licht rücken wollen und die gerne kolportiert werden, damit auch das letzte Dorf seinem Anspruch als Weltdorf gerecht wird, muss ich nicht erst noch extra erwähnen…

Folgen der Relevanzkriterien

Unmittelbare Folgen:

  • Verschiedenen Themen werden durch die Relevanzkriterien extrem unterschiedlich hohe Hürden gesetzt.
  • Die Relevanzkriterien arten für gewöhnlich durch Streit wie diesen in immer detailliertere Listen aus, die letztlich noch mehr Verwirrung stiften, weil dann jeder das zitieren kann, was seine Sicht zur Relevanz eines Themas stützt und man vor lauter Bäumen den Wald dann eh nicht mehr erkennt.
  • Durch Relevanzdiskussionen und immer neue Vorschläge für Relevanzkriterien wird sinnlos eine Menge Energie gebunden, die besser in Qualitätsverbesserung von Artikeln aufgehoben ist.
  • Ein Artikel wird sehr wahrscheinlich nicht verbessert, wenn einem prinzipiell mutigen Autor das Gefühl vermittelt wird, dass selbiger Artikel, egal wie sehr er sich anstrengt, eh irrelevant sei und der Autor sich aufgrund seines Engagements für diesen Artikel wohl aus bildungsfernen Schichten in die Gefilde der Relevanzgötter verirrt habe.
  • Mittelfristige Folgen:

  • Bereinigung der Wikipedia von einer Menge schlechter, aber auch guter Artikel.
  • Zementierung eines bestimmten unterdurchschnittlichen Qualitätsniveaus, da man meistens wenig Lust hat, in seiner Freizeit Stress zu suchen und sich von der Pflege solcher Themen fernhält.
  • Dauerhafter Verlust guter Autoren betroffener Themen, weil sie massiv behindert werden.
  • Lösungsvorschlag

  • Wikipedia lebt von der Qualität seiner Inhalte. Oberstes Kriterium muss daher die Qualität des Artikels sein und kein Relevanzgeblubber mit im schlimmsten Fall Serienlöschantrag plus das lahme Alibi „Relevanz aus dem Inhalt des Artikels nicht erkennbar“ (um der Form, aber nicht dem Inhalt nach, die Artikelqualität in den Mittelpunkt zu stellen).
  • Schaffung von Qualitätsanforderungen, die ein Artikel erfüllen muss. Jedem wird klar: „Mein Artikel kann es schaffen, niemand kann ihn mir grundsätzlich abspenstig machen. Ich muss ihn nur noch verbessern“. Und dennoch muss man nicht befürchten, dass Wikipedia mit unzusammenhängendem, wirren, abseitigen Kleinzeugs geflutet wird. Niemand kann mehr mit lahmen 08/15-Argumenten ernsthafte Löschanträge stellen, nur weil er das Thema nicht kennt und deswegen meint es wäre irrelevant. Schulen haben da eigentlich schon einen ganz guten Fragenkatalog mit ordentlicher inhaltlicher Hürde, wären da nicht die indiskutablen Relevanzkriterien für Schulen.
  • Zusammenstreichung der Relevanzkriterien bis auf Personen und Firmen und anderer Dinge, die durch ihre bloße Existenz als Wikipediaartikel ungebührliche Werbung für eine Personengruppe wären.
  • Ich bin deshalb so frei und werde die Relevanzkriterien (abgesehen von der Werbeausnahme) in Zukunft konsequent ignorieren und rufe jeden auf es mir gleichzutun und stattdessen den Fokus auf die Qualitätsverbesserung der Artikel zu legen. Es gibt viel zu tun.

    (Disclaimer: Wer meint er könne mit meinen Punkten einen Kauderwelschartikel vorm Löschen verteidigen hat nicht verstanden worum es geht.)

    Have fun.

    26 Antworten to “Relevanz ist irrelevant”

    1. Erik Möller Says:

      Viel Erfolg – allerdings glaube ich, dass es vergeblich sein wird. Das Relevanzdenken ist in de.wp doch schon sehr stark etabliert.

    2. arnomane Says:

      Sicher es ist sehr stark in den Köpfen aller möglicher Wikipedianer etabliert, aber das waren viele Dinge in der Vergangenheit in de.wikipedia und sie wurden dennoch umgestoßen.

      Die de.wikipedia ist nicht allein mit dem Problem. Wenn ich das richtig beobachte, entwickelt sich die en.wikipedia nach einer langen Phase (meiner Ansicht nach) zu laxer Löschpraxis derzeit auch in die Richtung harter Relevanzkriterien statt Qualität, wenn ich die letzten Aufreger um El Hormiguero und Mzoli’s richtig deute.

      Deswegen wäre mir da auch ein Erfahrungsaustausch über den Tellerrand des eigenen Projekts hinaus wichtig. Schon allein um nicht dieselben Fehler zu machen.

    3. DH Says:

      Gähn. Mal wieder ein Einzelner, der dem Projekt _seinen_ Stempel aufdrücken will.

      Erster Schritt zur Besserung: Ausstattung der eigenen Artikel mit Literaturhinweisen und Einzelbelegen.

    4. Marcus Cyron Says:

      „Wikipedia lebt von der Qualität seiner Inhalte. Oberstes Kriterium muss daher die Qualität des Artikels sein und kein Relevanzgeblubber mit im schlimmsten Fall Serienlöschantrag plus das lahme Alibi “Relevanz aus dem Inhalt des Artikels nicht erkennbar” (um der Form, aber nicht dem Inhalt nach, die Artikelqualität in den Mittelpunkt zu stellen).“

      AMEN!!!!!

    5. arnomane Says:

      @DH. Ich weiß ja nicht wen du dir unter mir vorstellst (schau einfach mal in Wikipedia und Commons), aber genau das mit den Quellbelegen (neben vielem anderen) tue ich und zwar bei allen mangelhaften Artikeln, die mir unter die Nägel kommen und bei denen ich hinreichend Ahnung und Spaß am Verbessern habe.

      Also unterstelle bitte mir nicht ich habe keine Ahnung wie man gute Artikel schreibt. Merci.

    6. Marcus Cyron Says:

      Also ein Einzelner bist du sicher nicht. im übrigen wird das Projekt nicht zuletzt durch die Ansichten Einzelner geprägt. Inwieweit, ergibt sich dann immer erst.

    7. TheK Says:

      Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Relevanzkriterien#Schulen – die Diskussion zu den Schul-RKs. Es geht dort zwar fürchterlich zäh zu, aber irgendwie scheint sich eine Mehrheit für AüS als alleiniges Kriterien abzuzeichnen. Wäre fein, wenn sich weitere Leute daran beteiligen. Bei Musikalben klappt es doch auch, NUR mit der Qualität zu argumentieren!

    8. joergens.mi Says:

      Mann kann nur hoffen das viele arnomane’s Ideen folgen und dem wirklich wichtigen Kriterium Qualität wieder den gehörigen Platz einräumen.
      Diejenigen die sich hinter Relevanzkriterien genannten Formalismen verstecken sind oft die, die nicht in der Lage sind Qualität zu liefern/zu erkennen. Durch formale Kriterien kann man Unwissen kaschieren.
      Dann würden sich solche Löschanträge alla “Majin Devil“, „“Realschule St. Georgen“ und “Über den Myanmar (Burma) getöteten japanischen Reporter Kenji Nagai“ wohl erledigen. Wobei ich hier nicht über die „Qualität“ dieser Artikel rede.

    9. Achim Says:

      Späte aber gute Erkenntnis.

      Ich lebe übrigens schon seit 12.2003 nach dieser Devise – und das weitestgehend sehr gut. Nur ist Ignorieren zugleich immer Scheuklappe, was nützt es dir etwa, wenn du die RK ignorierst, die betroffenen Artikel aber trotzdem mit genau der Begründung entsorgt werden? Der stressfreieste Weg: Sein Ding machen, gute Artikel schreiben und damit zeigen, dass Qualität die Relevanz sticht.

      Gruß aus Berlin

    10. arnomane Says:

      Ja ich meinte auch bewusstes Missachten und bewusste Konfrontation durch gute Artikel zu genau diesen „irrelevanten“ Themen.

      So war ich letztes Wochenende als Vorbereitung für die Wiederherstellung des Schulartikels auf Fototour und hab unter anderem die besagte Schule und den erwähnten Teufelstisch fotografiert ( http://commons.wikimedia.org/wiki/Eckental und http://commons.wikimedia.org/wiki/Igensdorf) und dabei festgestellt, dass es zu den betreffenden Ortschaften noch kein einziges Foto bei uns gab und diese dann in vorhandene Wikipediaartikel eingebaut.

      Daneben plane ich die RKs in einer sicher konfliktreichen Auseinandersetzung durch „Inhaltskriterien“ weitestgehend zu ersetzen. Ich muss ja noch nichtmal bei Null anfangen: Wikipedia:Themenbereiche und Wikipedia:Artikel müssen nur etwas angepasst und für weitere Themenbereiche solche Hilfeartikel geschrieben werden (bzw. bei Software Thek’s und meinen Anfang Wikipedia:Artikel über Software vervollständigen). Und dann einfach mal mutig die RKs bei Themenbereichen, wo es diese Qualitätskriterien schon gibt, mutig zusammenstreichen…

    11. ShaggeDoc Says:

      Ich sage es hier und habe es auch schon mehrfach in Diskussionen gesagt: Mist bleibt Mist, auch wenn es relevanter Mist ist. Zudem bin ich überzeugt, dass man zu jedem relevanten Thema einen vernünftigen Artikel schreiben kann, der kann auch kurz sein und muss nicht gleich die LA/EA bereichern. Umgekehrt wird es zu irrelevanten Themen auch keine seriösen Quellen geben und somit auch keine qualitativ ausreichenden Artikel. Und grade solche Artikel werden heute durch das Deckmäntelchen der vermeintlichen Relevanz über selbstzurechtgeb(l)ogene Relevanzkriterien geschützt. Das betrifft vor allem jene Themen, die heute ach so relevant sind und schon morgen keine Sau mehr interessieren. Bei den musikalischen Werken haben wir in letzter Zeit sehr gut Erfahrungen mit Qualitätskriterien gemacht, auch wenn man uns oft vorwirft, sie würden dem geheiligten Stub widersprechen, nur finde ich in der Regel einen „vernünftigen Stub“ zu einer CD bei Amazon oder BOL, dafür brauche ich eine Wikipedia nicht.

    12. maha Says:

      “Relevanz aus dem Inhalt des Artikels nicht erkennbar” ist wirklich ein lahmes Alibi,denn viele Dinge sind so relevant, dass es etwas merkwürdig ist, wenn man im Artikel erst mal klarlegt, warum sie relevant sind. Ich denke da an den Löschantrag von [[Interlingua]]. Es ist einfach seltsam, die Relevanz noch einmal besonders herauszuheben.

    13. h-stt Says:

      Beides kann und muss sich ergänzen. Die RK definieren den Zuschnitt des Projektes, die QK die Anforderungen an individuelle Artikel. Sie können sich nicht gegenseitig ersetzen. Deshalb ist dein Ansatz wertvoll für die WP, dein Vorgehen aber nicht hilfreich. Wirklich nicht.

    14. arnomane Says:

      Den Zuschnitt des Projekts zu definieren maßen sich die an, die entweder eine Enzyklopädie der rein schöngeistigen Themen wollen (dafür gibt es Ulis Wikiweise) oder die einfach ihre persönlichen Abneigungen gegen ein Thema mit einem vorgeschobenen Argument begründen wollen. Die RKs an sich sind das *psychologische* Problem. Solange es RKs auf jedes Thema gibt, wird jeder Depp Löschanträge mit seinen persönlichen RKs stellen (weil er habe da gehört RKs seien wichtig und das Thema sei ja irrelevant) und die RKs samt des fetten Vorbehalts im Kopf geflissentlich *nicht* lesen (an die wieder bestehenden Software-RKs die auch auf meinem Mist gewachsen sind hat sich auch keine Sau bei Software-LAs gehalten).

      Nochmal: Ich befürworte RKs für Personen und Firmenartikel, aber die Ursache warum eine Schule unwichtiger sein soll als ein Denkmal oder eine Kirche ist ist der einfache Grund, dass Denkmal- und Kirchenartikel im Gegensatz zu Schulartikeln nicht von pubertierenden Schulkindern geschrieben werden.

      Meine letzten Kommentare auf meiner Diskussionsseite sind auch eine Antwort auf deinen Einwand bezüglich meines Vorgehens.

    15. P. Birken Says:

      So, habs jetzt auch mal gelesen und stimme im Hauptpunkt voellig ueberein: Qualitaet ist das Ziel. Qualitaet der Enzyklopaedie, wohlgemerkt. Und ohne hier gross darauf einzugehen, dass Relevanz und Enzyklopaedie inhaerent zusammengehoeren, da Enzyklopaedie Wissen dadurch schafft, dass das wesentliche vom unwesentlichen getrennt wird deswegen mein Hauptpunkt:

      Die Wikipedia braucht funktionierende Mechanismen zur Erreichung dieser Qualitaet und Relevanzkriterien sind ein solcher.

      Der erste Mechanismus ist das Erstellen qualitativ hochwertiger Artikel, die dann auch als Leuchttuerme wirken und auf ihren ganzen Bereich positive Auswirkungen haben. Der zweite ist die Aussaat schlechter Artikel ueber Loeschungen, was in der de-WP mittlerweile zu einem meiner Meinung nach beeindruckenden durchschnittlichen Anfangsniveau von Artikeln gefuehrt hat. Die Relevanzkriterien sind dabei ein gut funktionierendes Mittel um genau das durchzusetzen: „Relevanz nicht ersichtlich“ drueckt in der Regel eben nicht die Unwissenheit des Antragsstellers, sondern die geringe Qualitaet des Gegenstands aus, der nicht deutlich macht, was denn nun spannend am Beschriebenen ist. Das gesagt: eine Seite Wikipedia:Qualitaetskriterien, auf der Mindeststandards festgehalten werden waere auf jedenfall einen Versuch wert.

    16. arnomane Says:

      Weiter oben hab ich es schon geschrieben. Auf Relevanzargumente berufen sich vor allem Hobbysadisten wie Weissbier und Co denen es einfach Spaß macht anderer Leute Arbeit pauschal als wertlos abzufrühstücken.

      Schau dir doch mal an, wer LAs stellt. Es sind im wesentlichen zwei Gruppen:
      * Regelmäßige Löschantragssteller
      * Neulinge deren erster Beitrag ein Löschantrag ist.

      Beiden Gruppen gemein ist ein allzumenschliches Phänomen: Dinge außerhalb des eigenen Interessensgebietes oder eines Konkurrenten als unwichtig abzustempeln, um die eigene Wichtigkeit zu stärken.

      Die Relevanzkriterien können noch so gut gemeint sein, sie werden *immer* im höchsten Maße dazu missbraucht werden (auch weil so mancher Neuling sie nur indirekt über externe Medien erfahren hat, nie im Original lesen wird und meint er müsse da „mal aufräumen“). Selbst, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass LAs von Admins entschieden werden und somit unberechtigte Löschanträge nicht durchgehen, so verleiden sie dennoch dem Autor gründlich die Lust.

      Qualitätskriterien können zwar auch missbraucht werden, aber der grundlegende Tenor von Qualitätskriterien ist: „Das Thema ist nicht per se unerwünscht. Bitte verbessere den Artikel schnell, dann bleibt er auch.“ im Gegensatz zu den Relevanzkriterien: „Das Thema ist absolut uninteressant und der Autor ist wohl ein Idiot oder was auch immer, dass er zu sowas Artikel schreibt.“

      Das ist ein *fundamentaler* Unterschied für unser internes Klima.

    17. arbol01 Says:

      Auch mit einem Qualitätsmanagement QM wird es nicht funktionieren (für mich steht QM synonym für Relevanzkriterien, auch wenn es nicht das gleiche ist).

      Einen guten Ansatz finde ich in der englischsprachigen Wikipedia den Ansatz der Mathematischen Artikel. Dort werden Artikel aus dem Bereich der Mathematik klassifiziert (nicht alle), nach Gebiet, nach Wichtigkeit und nach Ausführung [http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Start-Class_mathematics_articles].
      Ein Problem hat die deutschsprachige Wikipedia mit ihren „lesenswerten“ Artikeln. Denn ein „lesenswerter“ Artikelhat schon Anforderungen, die an die Anforderungen eines „exzellenten“ Artikel heranreichen,wo sie doch für lesenswert ein Minimum erreichen sollten. Bezogen auf die Klassifizierung Mathematischer Artikel würde ich das Prädikat „lesenswert“ verpassen, wenn er etwa zwischen „Start“ und „B“ liegt, spätestens aber mit erreichen von „B“.
      In der Klassifikation der englischsprachigen Wikipedia gibt es noch das Prädikat „good“ für einen Artikel,allerdings würde ich das nicht mit den „lesenswert“ vergleichen. Ein „lesenswerter“ Artikel muß noch nicht gut sein.

    18. arbol01 Says:

      Ach nochein Nachtrag: Jeder hat so seine irrelevanten Gebiete. Ich für meinen Teil würde jede Marketing- bzw. Werbefirma aus der Wikipedia (und der Welt im allgemeinen; Keine Werbung für niemanden) heraushaben wollen, sowie auch die amerikanischen Abu Ghraib-Folterer sowie noch einiges andere. Allerdings bin ich so intelligent zu wissen, das wenn jeder Artikel, der irgendjemandem nicht gefällt, gelöscht wird dazu führt, das gar kein Artikel mehr übrig bleibt. Was interessieren mich Artikel über Napoleon, Thomas Mann, den Louvre, … . Also weg damit.
      Nein, in dieser Hinsicht bin ich inzwischen ein Inklusionist. Na schön,warum nicht etliche viertklassige Bands, Erotik-Sternchen, Filme, … .

      Ich finde es schade,das so Artikel wie Zeisel-Zahl, Spoon, Hundertundfünf, … gelöscht worden sind und Filmartikel wie „Der Wixxer“ kastriert wurden.

      Wenn es so weiter geht, was werden die nächsten Löschopfer sein? Intermission, der fünfte Elefant, Dreieckszahlen, Potenzmengenkonstruktion, Fermatsche Pseudoprimzahl, Karnaugh-Veitch-Diagramm, Gosper-Kurve?

      Es ist wie das Aufribbeln eines Pullovers.

    19. arnomane Says:

      Dein Hinweis auf einen Lösungsansatz aus der en.wikipedia brachte mich auf eine Idee:

      Zurzeit leiden wir ja auch an Hot-Invented-Here-Syndrom, Selbstgefälligkeit (gerade Power-LA-Leute). Dieses überhebliche Ignorieren der „Konkurrenzsprachen“ muss ein Ende haben, schon allein um unsere Projekt mit frischem Wind voranzubringen und um zu vermeiden, dass man bereits bestehende Lösungen nicht nochmal erfindet.

      Schau mal auf Wikipedia:Tellerrand. Diese von mir soeben eröffnete Seite wartet nur darauf, dass man seine Fundstücke aus anderen Projekten dort vorstellt…

    20. Markus Says:

      Hallo Arnomane!

      Ich möchte mich auf diesem Wege nochmal für die fruchtbare Zusammenarbeit bei dem – nennen wir ihn ruhig historischen – Editwar um den MLP-Artikel bedanken. Leider werde ich den Artikel künftig nicht mehr pflegen können, weil ich in der Adminpedia keine Lobby habe und auch keine anstrebe. Mit aktiver Politik habe ich nichts am Hut. Wenn Du Fragen zum Thema hast, schick mir eine mail.

      Hattest Du übrigens diese Resonanz gesehen? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,500910,00.html

      Bis heute habe ich übrigens noch keinem Wikipedianer verraten, dass aus meinem Engagement für den MLP-Artikel eine Reihe lustiger Rechtsstreite mit der liebenswerten Firma entstanden ist. Habe in dem Zusammenhang sogar Rechtsgeschichte geschrieben: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,494224,00.html

      Leider gibt es Admins, welche ein Defizit an Urteilsvermögen und Benehmen aufweisen und sich ihre Rolle zu Kopf steigen lassen. Da ich mich ungern von Proleten sperren lasse und mich auch von selbstgerechten Drohungen nicht einschüchtern lasse, bin ich den Mimosen zuvorgekommen und habe demonstrativ um meine Sperrung gebeten. Haben die ohne Rücksprache gemacht und mich sogar auf meiner Benutzerseite entmündigt.

      Meine Kontakte mit den Admins waren kurz, aber soziologisch gesehen sehr aufschlussreich. Ich verstehe jetzt besser, mit welchen Automatismen sich totalitäre Systeme entwickeln. Gib einem Menschen Macht, und Du erkennst seinen Charakter.

      Ich wünsche allen, die sich mit dem Projekt Wikipedia noch identifizieren können, weiterhin frohes Schaffen.

      Markus

    21. peng Says:

      Eine mMn nicht zu unterschätzende Tatsache ist bei diesen Problemen auch, dass viele Löschantragsteller noch unter dem Leistungsdruck von Schulen stehen oder ihren Schulfrust als Student etc. noch vor sich herschieben. Da werden schnell mal Autoren runtergeputzt und Artikel verrissen unter dem Motto: “Jetzt darf ich auch mal Noten verteilen.“

      Auch gibt es in der deutschen Wikipedia kein Mindestalter für den Administratorenjob, Bewerbungen von 16jährigen sind keine Seltenheit. Und wenn die dann eine genügend große Usergemeinde hinter sich geschart haben, weiß man auch, weshalb Schulen gelöscht, Bands und Pornosternchen jedoch behalten werden.

      Wikipedia verliert an Glaubwürdigkeit, wenn dort jeder Film als relevant gilt, eine Schule per se aber nicht.

    22. Thomas7 Says:

      Meine Meinung: die WP:RK sind dazu da, bei klarer Relevanz langatmige Diskussionen zu vermeiden. Sie sind nicht dazu da, Irrelevanz nachzuweisen, was sie gar nicht leisten können, weil sie unvollständig sind. Gutes Beispiel. Thomas7

    23. maha (maha) 's status on Tuesday, 27-Oct-09 21:41:48 UTC - Identi.ca Says:

      […] Relevanz ist irrelevant « [[content|comment]] a few seconds ago from xmpp […]

    24. wwwprofi Says:

      Du schreibst mir von der Seele. Hatte auch schon mit wichtigtuerischen Löschadmins zu tun. Auch diese 7 Tage sind schon sehr kurz. Was geht denn in Wikipedia kaputt, wenn eine Seite mehr drin steht, solange der Artikel nicht Müll ist und er vernünftig in Kategorieen eingeordnet ist?

    25. Wikipediagefahr « Cethegus Says:

      […] nur abgewehrt werden, sondern zu einem Überdenken der Löschgewohnheiten in der Wikipedia führen. Angemahnt wurde das von Wikipedianern schon […]

    26. Gefangen in der Gegenwart « [[content|comment]] Says:

      […] in der Gegenwart By arnomane Meine persönliche Meinung zur Relevanzdebatte (und Ideen zu ihrer Lösung) habe ich bereits 2007 niedergeschrieben und dem ist auch heute nichts […]

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