Die Rückkehr der Moderne

Schon länger spukt mir eine etwas provokant-anmaßende, aber vollkommen ernstgemeinte Kulturthese durch den Kopf, die ich in der Vergangenheit gelegentlich bei Diskussionen mit Freunden nicht nur über Kunst und Kultur mit einem spitzbübischen Grinsen in den Raum warf und auf die Reaktionen wartete…

Die Postmoderne ist Schnee von Gestern. Sie war das Fin de siècle des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Die Moderne war nie zuende. Sie ist vielmehr dominierend wie nie zuvor und wird die längste Epoche der Neuzeit werden.

Wie kommt man auf dieses schmale Brett, wo doch allgemein bekannt ist wie postmodern wir alle sind?!

Die Postmoderne war die aufkommende Langeweile und der Eskapismus vor der Jahrtausendwende, als man sich an den omnipräsenten Formen, Stilen und Weltsichten sattgesehen und -gelebt hatte, die man fälschlich für identisch mit der Moderne hielt. Dabei versuchte man lediglich den Bruch mit der erstarrten Philosophie des Bauhaus und seiner Kinder und betrieb somit letztlich nichts anderes als die Moderne fortzuführen. Die Postmoderne war modern.

Moderne ist Rastlosigkeit und Beschleunigung des Lebens. Moderne ist Globalisierung und um sich greifende Urbanisierung mit all ihrer empfundenen Enge und kulturellen Widersprüchlichkeit bei gleichzeitiger radikaler individueller Freiheit. Moderne ist umfassender von Technik getriebener gesellschaftlicher Wandel. Wie umfassend dieser ist, wird schon beim Rückblick auf die Jahre ab 1995 sichtbar.

Die Moderne begann, als die Menschheit an ihre geografischen, humanitären und materiellen Grenzen stieß. Sie wird so lange fortbestehen, wie sich die Menschheit sich in diesem selbstverschuldeten Flaschenhals befindet, in dem die Ansprüche die Möglichkeiten übersteigen. Ob, wie und wenn ja wann die Menschheit da hindurchkommen wird, ist offen. Sehr sicher aber wird die Moderne nicht vor Ablauf des 21. Jahrhunderts zuende sein.

Die erste Hälfte der Neuzeit war das Zeitalter der Entdeckungen. Die zweite Hälfte, die Moderne, ist das Zeitalter der Entscheidungenzum Guten wie zum Schlechten. Das 21. Jahrhundert wird der Wendepunkt der Zivilisation werden. Man kann das Heute, Hier und Jetzt ablehnen und sich zurück in eine romantische, abenteuereiche Vergangenheit sehnen oder vorwärts in eine scheinbar grenzenlose, virtuelle Zukunft flüchten oder beides zugleich.

Wir können uns aber die Welt und schon garnicht die Zeit aussuchen, in der wir leben. Wer wie Don Quijote gegen ihre Windmühlenflügel kämpft, wird verlacht scheitern. Doch auch wer sich als Mitläufer vom Strom der Zeit träge und geistig wenig gefordert mittreiben lässt oder ihn gar begeistert feiert, wird in diesem Malstrom untergehen. Wer aber überlegt einen Schritt zur Seite geht, wird Spuren hinterlassen und den Lauf der Zeit ändern.

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