Archive for the ‘Miscellaneous’ Category

Ich bin Gallier!

24. September 2009

Ein Manifest für Gallierinnen, Gallier und Gallionsfiguren.

Wir sind keine Partei und werden es auch nie werden aber gibt es ein gemeinsames Ziel. Wir sind keine Piraten, die entern wollen, aber schon ohne die Ga-ga-gallier (abgesehen von den ‚Ö-ö-ömern) vorher sich lieber selbst versenken. Wir sind nicht pars pro toto, wir wollen verschiedene Teile mit einem gemeinsamem Ziel sein: Wir wollen ein ein chaotischer und hoffentlich liebenswerter Haufen unbeugsamer Netzwesen sein, die sich gerne zanken und grundverschieden sind, aber wenn unser Internetdorf angegriffen wird, dann stehen wir zusammen.

Unser Dorf ist nicht die Welt, aber ohne unser Dorf wäre die Welt nur halb so spannend. Dieses Dorf kämpft gegen die römischen Legionen und ihre Vorstellung einer guten römischen Ordnung, aber ganz ohne Römer wird uns auch langweilig. Und eigentlich mögen wir auch ein paar Nette von den Römern. Außerdem mögen auch die Römer gerne mal Orgien und müssen nur dazu gebracht werden ihre gallische Ader wiederzufinden.

Unsere Markenzeichen sind bunt und schräg und manchmal auch ein wenig abergläubisch und gaga. Wir zoffen uns auch gerne mal so richtig laut und bewerfen uns mit Fischen, aber wenn wir gerade Misteln ernten, dann wollen wir in Ruhe gelassen werden. Obwohl wir mit den Piraten einiges gemeinsam haben, kämpfen wir gegen Piraten, die meinen sie wären die Herren der Meere und jedes Internetdorf müsse von ihnen erobert werden. Wir mögen keine Vereinahmung, seien es die Römer oder die Piraten.

Unsere Freiheit ist die Freiheit der Entfaltung, nicht die Freiheit ein Freibeuter zu sein, der alles mitnimmt, aber nichts dalässt. Auch schneiden wir diejenigen, die die freie Entfaltung beseitigen wollen. Unsere Freiheit hat Grundlagen. Für unsere eigenen Werke sind diese Grundlagen die 4 Freiheiten des bärtigen GNUs. Für uns selbst die UN-Charta der Menschenrechte. Wer unsere Grundlagen verletzt, verwirkt sein Recht Teil unserer Dorfgemeinschaften zu sein. Wir verteidigen die Freiheit all derer, die nicht unsere eigenen Freiheiten beseitigen wollen. Alle anderen bekämpfen wir.

Wir denken global und handeln lokal. Wir wollen keine Piraten, die Rom und die Welt ändern wollen, aber in all den Jahren ihres Daseins vor ihrer eigenen Haustür noch nichtmal nennenswert gegen die römische Ordnung vorgegangen sind. Wir wählen daher keine Piraten, die Rom erobern wollen.

Wir haben im Senat des Römischen Reiches einige (leider noch zu wenig) einflussreiche Mitglieder, welche auf der gallischen Seite stehen und die entschieden gegen die derzeitige Gesetzgebung im Römischen Senat sind und denen wir mit unserer Wahl helfen müssen, bevor Rom und auch ganz Gallien ganz in der Hand der römischen Ordnung ist, weil wildentschlossene, aber unfähige Piraten eine Heimsuchung Roms vorhatten.

Und weil wir global denken und lokal handeln, weil wir die gallischen Römer mögen und unterstützen wollen, ist jedes gallische Wesen aufgerufen lokal in den römischen Dörfern in Aktionsgruppen, Parteien und anderen Plattformen nach eigenem Gusto mitzumachen und im Hier und Jetzt vor Ort etwas für seine Freiheit vor Überwachungskameras, Vorratsdatenspeicherung, lokalen Datenschutzskandalen usw. zu tun und nebenbei den Römern dabei helfen gallischer zu werden.

Wer diesen Aufruf unterstützt die/der setze ihren/seinen Otto in folgender Weise drunter und sage es weiter (aber spammt nicht auf Piratenart!): Wer’s weiblich will mit „ich bin Gallierin“, wer gerne Manns genug ist mit „ich bin Gallier“ und für die die beides so 20. Jahrhundert finden mit „ich bin eine Gallionsfigur“.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für den Iran!

15. Juni 2009


Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für den Iran!

Es ist ein bescheidenes Zeichen, aber es ist ein Zeichen mit dem ich sagen will: Ihr, die ihr im Iran für eure Rechte nach der gefälschten Wahl, für eure Freiheit und eure Demokratie auf die Straße geht – Ihr seid nicht allein und ich hoffe und bange mit und für euch von ganzem Herzen.

Als ich damals 1989 als neunjähriger Junge in Ostdeutschland die Kraft von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und unseres Schlachtrufs „Wir sind das Volk!“ auf Demonstrationen spürte, wusste ich damals: „Hier und jetzt passiert etwas besonderes. Das Unrecht hat ein Ende, weil wir alle mutig sind und weil wir uns nicht mehr bevormunden lassen.“

Ja ich hatte damals große Angst, dass man mich einsperrte und meinen Eltern etwas antat, aber das Gefühl der Solidarität mit wildfremden Menschen und vor allem aus meiner Perspektive damals auch die vielen Kinder, die wie ich von ihren Eltern mit auf die Demonstrationen mitgenommen wurden, hatten uns damals stark gemacht und unsere Diktatur hinweggefegt.

Seid mutig, seid stark, seid friedlich und auch wenn mit eurem Erfolg die Lösung der Probleme erst anfangen wird und ihr einen langen Atem braucht: Wenn wir es geschafft haben, dann schafft ihr es auch! Ich kenne das Gefühl der Volksmacht, wo jeder Einzelne DEN Unterschied ausmacht. Lasst das euch nie mehr wegnehmen!

Unser Sieg gegen den Kalten Krieg, gegen die Diktatur und gegen die Spaltung Deutschlands und Europas erschien uns wie ein Traum. Und doch wurde er wahr.

Deswegen glaube ich an euren Sieg!

Projekt 33 – X

25. Mai 2009

Ich verbreite mich mal in Wahlkampfarithmetik. Die folgenden Überlegungen hatte ich kurz nach der letzten Landtagswahl in Bayern im September 2008 angestellt, aber für mich behalten.

Das Fass, das überlief…

Angesichts meines immer größeren Ärgers darüber, dass die CSU rein garnichts aus der Landtagswahl in Bayern vom September 2008 gelernt hat, sondern weiter mit Parolen unterirdischer Qualität und überheblichen Äußerungen glänzt, kann ich nicht umhin dieser Bierzeltkampftruppe, nach deren Freund-Feind-Logik ich sowieso Bayern verrate, ein kleines „Nicht mit mir – Es gibt viele echte Bayern jenseits von euch“ entgegen zu schleudern.

Da die CSU sich als die einzigen legitimen Vertreter Bayerns und seiner Interessen verstehen, tritt die CSU bei allen Bundestagswahlen und Europawahlen als eigene Partei auf und muss folglich die 5%-Hürde bundesweit überwinden, um als eigene Fraktion im Bundestag und im Europaparlament vertreten zu sein. Freilich schließen sie sich dann immer mit der CDU zur Unionsfraktion bzw. EVP zusammen, aber wenn sie meinen sie müssten auf die Kacke hauen (bspw. wenn in Bayern eine Wahl ansteht), dann spielen sie schnell einen auf unabhängige Partei, die gegen das dräuende Unheil für Bayern aus dem bösen Berlin, Brüssel und Strassburg energisch vorgehen müsse…

Was wäre wenn?

Was aber wäre wenn die CSU nicht mehr in „Fraktionsstärke“ im Bundestag und Europaparlament aufmarschieren kann, sie also unter die bundesweite 5%-Hürde fällt? Dann wäre sie im Europaparlament garnicht mehr vertreten, weil es dort keine Direktmandate gibt und im Bundestag nur noch eine sogenannte „Gruppe“ (vorausgesetzt sie bekommt mindestens 3 Direktmandate, ansonsten verfallen ihre gesamten Stimmen). Eine Gruppe ist in Bezug auf ihre parlamentarischen Rechte sehr stark eingeschränkt. Die einzige Chance für die CSU wieder „mitzuspielen“ wäre im Bundestag sich der CDU-Fraktion direkt anzuschließen und bei der nächsten Europawahl gleich auf der CDU-Liste zu kandidieren – die CSU wäre nichts weiter als eine Landesgruppe der CDU und endlich hätte diese großkopferte Bande aus der Bayerischen Staatskanzlei eine gute Chance in Kloster Banz dem wahren Charakter eines Klosters – nämlich bescheiden den Menschen und Gott zu dienen – näher zu kommen.

Auch Bayern kann dauerhaft von einer Einheitspartei erlöst werden…

Der magische Stimmenanteil in Bayern lässt sich mit einer kleinen Rechnung leicht bestimmen:

  1. CSU-Anteil im Bund = CSU-Stimmen / alle Wähler
  2. CSU-Anteil in Bayern = CSU-Stimmen / Wähler in Bayern

Beide Gleichungen nach den CSU-Stimmen aufgelöst ergeben:

  1. CSU-Stimmen = CSU-Anteil im Bund * alle Wähler
  2. CSU-Stimmen = CSU-Anteil in Bayern * Wähler in Bayern

Gleichgesetzt:

CSU-Anteil im Bund * alle Wähler = CSU-Anteil in Bayern * Wähler in Bayern

Und nun nach dem CSU-Anteil in Bayern in Bayern aufgelöst ergibt sich die gesuchte Gleichung:

CSU-Anteil in Bayern = CSU-Anteil im Bund * alle Wähler / Wähler in Bayern

Der CSU-Anteil im Bund soll nun unter 5% liegen, daraus ergibt sich für den maximal vertretbaren CSU-Anteil in Bayern folgende Ungleichung:

CSU-Anteil in Bayern < 5% * alle Wähler / Wähler in Bayern

Die Anzahl der Wahlberechtigten lässt sich mittels der Wahlberechtigten der bayerischen Landtagswahl von 2008 (9’321’417 Wahlberechtigte) und der Bundestagswahl von 2005 (61’870’711 Wahlberechtigte) hinreichend genau abschätzen und somit in die Ungleichung einsetzen:

CSU-Anteil in Bayern < 5% * 61870711 / 9321417 = 33%

Unsicherheiten bestehen darin, wie die genaue Anzahl der Wahlberechtigten ist und inwieweit sich die Wahlbeteiligung in Bayern und den übrigen Bundesländern unterscheiden. Nachkommastellen für den magischen Grenzwert anzugeben macht deswegen keinen Sinn.

Was kann ich für… äh… gegen sie tun?

Was kann man denn nun tun, um die CSU unter 5% im Bund bzw. 33% in Bayern zu bekommen? Zunächst einmal sollte man nicht denken „Ach das können doch nur die Bayern selber ändern“ (schlimmer Denkfehler von Nichtbayern) oder „Die gewinnen doch eh“ (fatalistischer Irrtum der Bayern, der zu sagenhaft niedriger Wahlbeteiligung geführt hat). Nichtwählen ist eine Stimme gegen gelebte Demokratie und somit für Stillstand beim Alten – der gelebten Arroganz der CSU. Angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung der vergangenen Jahre ist das Potential zu gewaltigen Änderungen drin, wenn man nur will. Aber betrifft das denn nur Bayern? Nein. Jeder der in Deutschland zur Wahl geht kann durch seine Stimme dazu beitragen, dass der Anteil der CSU unter 5% kommt – sogar dann, wenn er CDU wählt.*

Bevor man jetzt aber wild sein Kreuzchen macht informiert man sich aber dann doch erstmal gründlich:

Also um ein wenig Lesen wird man nicht herumkommen und dann nicht vergessen zur Europawahl am 7. Juni und zur Bundestagswahl am 27. September zu gehen. Die CSU gewinnt immer nur dann wenn man glaubt, dass sie eh gewinnt!


*Eine hohe Wahlbeteilung in anderen Bundesländern führt dazu, dass der Anteil Bayerns an den abgegebenen Stimmen kleiner und somit der für bundesweit 5% mindestens erforderliche CSU-Anteil in Bayern größer wird. Eine wahrlich interessante Möglichkeit für ein negatives Stimmengewicht von CDU-Wählern.