Die Macht der Bilder

21. März 2010

Felistoria brachte die „Vulvendebatte“ zur heutigen Wikipediahauptseite treffend auf den Punkt (absichtlich unverlinkt) und ihre Worte verdienen es zwischen den Fronten der selbsternannten „Kinderschützer“ und der ebenso selbsternannten „Freiheitsschützer“ (als schlössen sich Kinder und Freiheit aus) mehr Gehör zu finden:

[…] mir sind dabei zwei Dinge aufgefallen: 1. der erstaunliche Mangel an sogenannter „Medienkompetenz“ (insbesondere im Hinblick auf die Wirkung von Bildern) und 2. die zum Teil amüsante sprachliche Selbstbeschummelei. Wie auch immer: das Bild wird dafür sorgen, dass niemand den Artikel liest, sondern sich zuvörderst in die fotografischen Arrangements „vertiefen“ wird. Schade um die Mühe der schreibenden Autoren.

Vielleicht lernt man ja für die Zukunft, dass sexuelle Aufklärung stets not tut und auch Kinder wissen sollten, wie Erwachsene natürlicherweise so aussehen (also nackt, stellenweise behaart, ungeschminkt und so weiter…) und andererseits man sich sehr bewusst ist, dass niemand sich der Wirkung von Bildern entziehen kann und deswegen Bilder von menschlichen Geschlechtsteilen, welche nunmal auch die unabänderlichen menschlichen Triebe ansprechen (und somit den Verstand behindern, an den sich Wikipedia wendet), einen passenden Kontext benötigen (bspw. einen Artikel) damit sie aufklärende Wirkung erzielen und eine Hauptseite der denkbar ungeeignetste Platz für Fotoaufklärung ist.

Und vielleicht zieht man dann sachliche Nackt- und Sexbilderkritik auch nicht mehr sofort in den Dreck der Lächerlichkeit und macht sich über das Spektakel mit einer Tüte Popcorn in der Hand lustig oder gar schlimmer wirft wahlweise mit den Keulen „Prüderie!“, „Zensur!“ und „Perversion!“ um sich (weil nur ein kranker Geist sich über soetwas den Kopf heißreden könne).

Windows-7-Odyssee

10. Februar 2010

Nein dies ist kein Beitrag darüber, wie man Windows 7 in der 64-Bit-Version bei nur vorhandenem Zweitrechner mit Windows-XP-32-Bit über USB-Stick installiert (weil Windows 7 mit vielen DVD-Laufwerken nicht klarkommt), obwohl ich es hinbekommen habe und somit nun weiß wie es geht und eine garantiert hilfreiche Anleitung schreiben könnte. – Man wird hier aber lesen können, was alles garantiert nicht funktioniert und sich so doch einige Zeit und Frust ersparen und vielleicht den einzig vernünftigen Schluss als ganz normaler unbedarfter Anwender daraus ziehen: Eine Linuxdistribution wie (K)Ubuntu oder OpenSuse installieren und glücklich sein und sollte man wirklich Windows benötigen, selbiges einfach in einer virtuellen Maschine wie VirtualBox unter Linux installieren, wo es viel leichter zu bändigen ist.

Warum kein Hilfebeitrag, sondern eine Polemik? Nun ich seh es nicht ein kostenlosen Support für einen Hersteller zu leisten, der den jährlichen Gewinn mit der Mistgabel umwenden kann und der ohne rot zu werden, sein für Normalsterbliche uninstallierbares Windows 7 als benutzerfreundlich wie nie zuvor anpreist und wo zu allem Überfluss die halbe Computernachrichtenwelt auch noch 7-glückszahlseelig inklusive Web-Zwo-Null-Verstärkereffekt mithypt, bloß damit sie ihre Anzeigenblöcke weiterhin voll kriegen.

Es fing damit an, dass meine Schwester dank der Microsoft-E-Academy über die Uni sich zu ihrem brandneuen softwarelosen Desktop-PC ein neues Windows 7 in 64 Bit besorgte und ich ihr da natürlich bei der Installation half (wozu ist man schließlich Bruder ;-), auch wenn es mich schon ärgerte, dass sie für Linux „keine Zeit und keinen Nerv“ haben wollte.

Nun nachdem ich so „Kleinigkeiten“ wie den passenden Registrierschlüssel (müssen die immer so lang sein, dass man da ewig am Telefon braucht bis man den durchgesagt hat?) und die von mir dann korrekt gebrannte Windows-DVD zusammen hatte lief alles 2 Minuten lang fluffig, bis das Installationsprogramm meinte, es könne nicht von dem DVD-Laufwerk lesen von dem es gerade las?! Es schlug mir dann vor ich möge doch bitte mal die Treiber-CD für das DVD-Laufwerk in eben jenes Laufwerk einlegen, das könne ich problemlos machen und danach die Windows-DVD wieder einlegen und weitermachen… Gut ich wunderte mich zwar, wozu ein SATA-DVD-Laufwerk einen extra Treiber braucht, wo es doch eigentlich nur SATA-Treiber für den SATA-Controller auf dem Board gibt, aber ist doch mal nett, dass man kurz die Treiber-CD einlegen kann. Nunja natürlich fand Windows keinen passenden Treiber und irgendwie zeigte es mir auch nicht die vorhandene Ordner-Struktur der Treiber-CD an… Merkwürdig. Auch das Umkopieren der Treiber-CD auf einen USB-Stick und dann die berühmte Treibersuche (schön für jeden Ordner einzeln, zur Sicherheit…) und die eingebaute CMD.EXE-Kommandozeile etwas versteckt einen Schritt zurück half da nicht weiter. Ende Gelände.

Gut schauen wir mal im BIOS nach der Kennung des DVD-Laufwerks und schmeißen die Typenbezeichnung in eine x-beliebige Suchmaschine auf dem Zweitrechner. Ich fand dann heraus, dass das Laufwerk eine OEM-Version von Optiarc ist, welches wiederum eine Untermarke von Sony ist und ich mit diesem Problem alles andere als allein bin. Da sich Sony nun bekanntermaßen zusammen mit Philips bei Compact-Discs usw. sehr gut auskennen sollte (wer hat’s erfunden?), konnte mir auch keiner dieser Windowsnaseweise in den werbeverseuchten Foren weismachen, dass DVD-Laufwerk sei „halt billiger No-Name-Schrott“. Da mit dem gleichen Laufwerk (und vielen weiteren anderen Laufwerksherstellern und vor allem vielen vielen integrierten Notebooklaufwerken) weitere Leute sogar mit einer in Redmond von Gates & Ballmer handgepressten Windows-7-DVD dasselbe Problem hatten, konnten dieselben Experten sich ihr „ist halt zu schnell auf nen Scheißrohling gebrannt“ ebenfalls sonstwohin stecken – Und natürlich hab ich meine DVD nur mit 4fach auf einen vernünftigen Rohling mit vernünftiger Software, also K3B unter Linux, gebrannt und die Prüfsumme hinterher verglichen.

Außerdem gibt es dasselbe Problem auch schon seit Längerem mit Windows Vista und viel eher ist es wohl irgendeine komische DRM-Interferenz im Zusammenang mit dem DVD-Standard, die Windows ab Vista desöfteren glauben lässt, es müsse sich gerade selbst im Weg stehen. Also kurz gesagt: Die Hardware ist tadellos in Ordnung und es hilft hier rein garnichts vermeintliche „Markenprodukte“ zu kaufen oder statt einer gebrannten DVD eine gepresste DVD zu nehmen und schon garnicht gibt es einen DVD-Laufwerkstreiber gegen dieses Problem. Es ist einfach ein Windowsfehler, der seit Vista bekannt ist und recht häufig auftritt und und halt immer noch nicht gefixt ist…

Muss ich erwähnen, dass Linux bei derselben Durchfallquote von DVD-Laufwerken mit beißendem Spott übersät werden würde?

Ich erinnerte mich dann an ein gewisses DVD/USB-Tool von Microsoft, mit dem einen USB-Stick so einrichten kann, dass man dann von ihm direkt das Windows 7 installieren kann. So würde ich also das Laufwerksproblem umgehen können. Gut ich installierte also unter Windows-XP-32-Bit besagtes Tool (vorher wollte es natürlich noch Punkt-Netz-Zwo-Null und eine Imaging-Mastering-API installiert haben…) , bei welchem die gute Firma von Bill & Steve übrigens vor einiger Zeit netterweise auch erst noch schriftlich dazu eingeladen werden musste die verwendeten frei unter der GPL-verfügbaren Bestandteile zuzugeben und vertragsgemäß den Quelltext zu veröffentlichen.

Natürlich brach das Tool mit einen Fehler ab, als 99% des Installations-USB-Sticks erstellt waren. Der Fehler lautete „USB-Stick konnte nicht bootbar gemacht werden“ oder sowas. Nun eigentlich sollte ein simples Flag in der Partitionstabelle echt keine Hürde sein, aber gut kann man ja unter Linux eben mal das Flag setzen. Nun immerhin brachte es der USB-Stick dann im zu installierenden Rechner bis zu einer NTDLR-blabla-Fehlermeldung. Okay, das Bootbar ist also nicht sooo einfach.

Andere Minesweeper-and-Solitär-Certified-Engineers meinten dann in einem erträglichen „sozialen“ Forum von Microsoft, dass das Tool ja eh für echte Experten unnötig wäre und eine Handvoll CMD.EXE-Befehle ebenfalls einen USB-Stick passend einrichten können. Nun natürlich funktioniert dieser an verschiedenen Stellen im Web gleichlautend beschriebene Weg NICHT mit Windows XP, auch nicht wenn man die verwendeten Konsolenprogramme in einer neueren Version installiert. Windows XP (zumindest, das woran ich saß) wird nur die eigene Festplatte damit formatieren wollen, aber niemals den USB-Stick… Damit es funktioniert benötigt man zwingend ein Windows Vista.

Okay, ich fand dann bei einem bekannten Netbookhersteller im Forum einen Hinweis woran es wirklich lag, dass das DVD/USB-Tool „in manchen Situationen“ (Microsoft-Sprech) nicht funktioniert. Man kann damit auf 32-Bit-Windowssystemen einfach keinen bootbaren USB-Stick für 64-Bit-Windowssysteme erstellen (und umgekehrt vermutlich auch nicht). Natürlich haben nette Microsoft-Supportler im „sozialen“ Firmenforum darauf hingewiesen, dass man sich nur mit seinem Microsoft-Store-Account bei ihnen einzuloggen brauche, dann auf seinen Windows-7-Einkauf in der Einkaufsliste klicken und dort dann ein passendes kostenlose Progrämmchen als Dreingabe runterladen kann, welches auf 32-Bit-Systemen auch 64-Bit-Boot-USB-Sticks erstellt. Natürlich haben die Allermeisten noch nie im Microsoft-Store eingekauft und das Tool gibt es auch sonst nirgendwo von Microsoft (zumindest hab ich es nirgends finden können). Nunja ich lud es mir dann also über „dunkle Kanäle“ herunter, prüfte das Progrämmchen genau auf Viren und anderes Windowskroppzeuch und auch die Signatur war korrekt und original Microsoft. Mit diesem Progrämmchen zusammen ließ sich dann das DVD/USB-Tool dazu überreden, das mit dem Bootbar von 64 Bit richtig zu machen und tatsächlich der USB-Stick bootete korrekt in das Windows-7-Setup.

Uff. Der Installer schnurrte los und fragte mich nach der Festplattenformatierung: Okay 20GiB für Windows und die restlichen 480GiB für Daten als Formatierung angeben sollte etwas Ordnung durch die Trennung von Daten und Software schaffen und bei zukünftigen Installationen zumindest das leidige Backupproblem entschärfen… Das Windows sagte dazu okay, spulte die Installation ab und ein paar Neustarts später sah ich dann den nagelneuen Windows-7-Desktop. Schauen wir doch mal auf Laufwerk C und D die Eigenschaften an. Natürlich hat Windows brav das Gegenteil dessen gemacht was ich wollte. Windows braucht Platz und hat sich deswegen in die 480-GiB-Partition installiert und die 20-GiB-Partition netterweise komplett unformatiert gelassen…

Danke. Das kann ja jedes Linux seit mindestens 1999 direkt im Installationsvorgang garantiert zuverlässig und besser. Gut vielleicht bin ich auch einfach von der simplen Bedienung der Partitionierungsroutine beliebiger Linuxdistributionen jahrelang so geistig verblödet worden, dass ich unter Windows einfach zu doof war es richtig zu machen. Nunja muss man das Problem unter Windows 7 also hinterher mit einem passenden Partionierungsprogramm glattziehen.

Aber schauen wir uns erstmal die Treiber an, der Gerätemanager findet einen namenlosen Coprozessor mit dem er nichts anfangen kann… Gut Treiber-CD wieder eingelegt, angeblich Windows-7-kompatibel. Natürlich nicht. Die Setup.exes der einzelnen Bestandteile wollen partout nicht das tun was sie sollen, sondern werfen nur einen Kompatibilitätsfehler. Gut ich pfriemel jetzt nicht die Treibersuche für jede einzelne Komponente durch und versuch die Treiber nackig zu installieren, sondern probier erstmal aus ob Windows wie es sich bei jedem Linux von Haus aus seit Jahren gehört vielleicht wenigstens in seinem Onlineupdate passende Treiber für jede erdenkliche Hardware bereit hält. Nein der anonyme Coprozessor und auch der Sound sind vollkommen unbekannt. Gut schau ich erstmal auf der CD nach für welches Board die gedacht ist und schau beim Hersteller direkt vorbei.

Natürlich war die von Händler beigelegte CD nicht die CD für das passende Board, wie ich schnell herausfand und was auch ein Blick in die Systemeigenschaften von Windows bestätigte, sondern für ein anderes, aber immerhin vom gleichen Hersteller. Okay wenigstens ging das Windows 7 sofort anstandslos ins Internet und ich lud direkt eine längere Liste von RAR-Archiven vom Boardhersteller passend für die genaue Boardbezeichnung runter. Noch schnell 7Zip installiert und die Dinger entpackt und schon losgelegt… Die Hälfte der entpackten Treibersetups für die ganzen Komponenten ließ sich anstandslos installieren die andere Hälfte zog es vor sich mit Kompatibilitätsschwierigkeiten zu empfehlen. Gut immerhin war nun der ominöse unbekannte treiberlose Coprozessor verschwunden, der Grafikchip lies sich nun ein paar mehr Einstellungen zum Rumspielen entlocken und Windows 7 bemerkte auf einmal dass ich weder Boxen noch Headset angeschlossen hatte und somit keinen Mucks von ihm hören konnte.

Die Hardware scheint also nun vollständig zu funktionieren. Ob das installierte Windows 7 das DVD-Laufwerk jetzt aber wirklich in jeder Situation mag harrt noch genaueren Untersuchungen. Vermutlich nicht. Ich muss laut Forenexperten noch irgendwelche ominösen Filtereinstellungen in der Registry anpassen. Nunja auch die von verstreuten mit Jetzt!-Sofort!-Hier!-Download!-Starten!-Kaskaden gepflasterten Downloadportale und diversen halbzerkratzten Original-CDs zu installierende Anwendungssoftware wartet noch auf ihre Installation, da es ja unter Windows im Gegensatz zu jedem beliebigen Linux keinen vernünftigten Appstore (wie man das jetzt bei der nur unwesentlich weniger stressigen Konkurrenz von Apple nennt) hat, der dafür sorgt, dass man bequem im Katalog der angebotenen Software stöbern kann und der obendrein auf Wunsch ohne einen weiter zu behelligen für jedes installierte Programmfitzelchen stets aktuelle Fehlerbehebungen installiert… Aber gut bis Windows 8 sind ja noch ein paar Jahre Zeit und man muss ja auch dafür sorgen zuverlässig mit vielen kleinen Verbesserungsschritten stetig Geld in die Kassen zu spülen.

Gefangen in der Gegenwart

10. Januar 2010

Meine persönliche Meinung zur Relevanzdebatte (und Ideen zu ihrer Lösung) habe ich bereits 2007 niedergeschrieben und dem ist auch heute nichts weiter hinzuzufügen.

Dennoch finde ich es seltsam, dass so mancher in Blogs, Foren und sonstigen Diskussionen verkündet, dass Wikipedia keinen Plan vom Netz und den wichtigen Dingen die darin passieren habe, weil DIE Wikipedia DIESEN brandaktuellen Artikel auch nur infrage stellt.

Schaut man aber mal in Wikipedia nach, dann sieht man, dass die Gegenwart des Internets in Wikipedia quantitativ recht gut vertreten ist. Die Vergangenheit des Internets hingegen ist eher wenig vorhanden, obwohl sie niemand gelöscht hat. Ist die Vergangenheit des eigenen Lebensraumes für all die Netzwesen da draußen etwa so uninteressant, dass sie keine Artikel dazu schreiben möchten und sich lieber darüber streiten, welche Sau gerade aktuell durchs Netz getrieben wird und wie wichtig ein Wikipediaartikel dazu ist?

Dabei gäbe es zur Vergangenheit des Internets so viel spannendes zu schreiben und obendrein weiß man von ihr ja bereits was sich bis heute bewährt hat und was nicht… Weil von hätte und wäre nichts wird habe ich einfach mal angefangen diesem Missstand zumindest ein klein wenig abzuhelfen und habe drei neue Artikel zu World-Wide-Web-Klassikern geschrieben:

Die Vergangenheit des Internets bietet noch etliche mehr ungeschriebene Artikel deren „Relevanz“ wirklich keiner bestreitet (gut der eine oder andere Idiot vielleicht schon, aber die sind da chancenlos).

Kurzum wenn man sich für Artikel zu Internetthemen interessiert und einen Artikel aus der Vergangenheit des Internets schreibt, schreibt man nicht das was alle schreiben (synchrontwittern bspw. :p), sticht also aus der Masse heraus, hat weniger Stress mit den „Löschkandidaten“ usw. und betritt echtes Neuland, in dem man sich austoben kann…

Als Bonus gewinnt man einen klareren Blick auf die Gegenwart und befreit sich aus dem Hyperfokus auf das Jetzt. Der Netzgemeinde würde es jedenfalls sehr gut tun.